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Qualitäts-Ranking: Apple TV+ schlägt Netflix, Disney führt

Ein neues Ranking der Analysefirma MoffetNathanson misst Streaming-Dienste nicht nach reiner Verweildauer, sondern nach Qualität. Apple TV+ landet auf Platz 3 und lässt Netflix hinter sich.

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Codekiste Redaktion1. Juni 2026

Qualitäts-Ranking: Apple TV+ schlägt Netflix, Disney führt

Die Streaming-Wars werden traditionell mit einer einzigen Waffe geschlagen: Engagement. Wer die meisten Stunden aus seinen Nutzern herauskitzelt, gewinnt – so die gängige Devise. Netflix-Gründer Reed Hastings formulierte es einst so, dass sein Dienst nicht mit anderen Streamern konkurriere, sondern mit dem Schlaf der Nutzer. Doch eine neue Studie der Analysefirma MoffetNathanson dreht den Spieß um und setzt auf einen neuen Maßstab: den „Quality Index“. Das überraschende Ergebnis: Apple TV+ schlägt Netflix und landet auf dem dritten Platz.

Das Problem mit der reinen Verweildauer

Dass Engagement als alleiniger Maßstab problematisch ist, liegt auf der Hand. Wer eine Serie im Hintergrund laufen lässt oder aus Langeweile stundenlang durch Formate scrollt, generiert zwar wertvolle Datenpunkte für die Streamer, ist aber kein Indikator für hochwertige Inhalte. MoffetNathanson hat daher einen Index entwickelt, der nicht nur misst, wie lange jemand schaut, sondern was und wie er schaut.

Der neue Qualitäts-Index basiert auf fünf Kernmetriken:

  1. Time of Day Viewership: Wann wird geschaut? Primetime-Konsum spricht für eine bewusste Entscheidung, während nächtliches Binge-Watching eher auf passive Rezeption hindeutet.
  2. Content Demand: Die generelle Nachfrage nach spezifischen Inhalten, gemessen über Daten-Services.
  3. Franchise Depth: Wie tief und vielfältig ist das Universum, das ein Streamer anbietet?
  4. Prestige: Kritikerwertungen und Auszeichnungen (Emmys, Oscars).
  5. Sports/Live Events: Live-Sport und Events als Bindungsanker.

Die Ergebnisse: Disney dominiert, Apple überrascht

Wenn man diese Faktoren gewichtet, ergibt sich ein deutlich anderes Bild der Streaming-Landschaft als bei reinen Abo-Zahlen oder geschauten Stunden.

Disney geht als klarer Sieger aus dem Rennen. Das Unternehmen profitiert massiv von seiner extremen „Franchise Depth“ (Marvel, Star Wars, Pixar) und den Live-Sportrechten über ESPN. Auf den Plätzen zwei und drei folgen HBO Max und Apple TV+, die nahezu gleichauf liegen. HBO Max punktet traditionell durch Prestige und tiefgründige Serienwelten, Apple TV+ hat jedoch vor allem in der Kategorie „Prestige“ enorm aufgeholt.

Erst auf Platz vier folgt Netflix. Dahinter klafft eine große Lücke, bevor Amazon Prime Video, Peacock und Paramount+ den Rest des Feldes aufteilen.

Einordnung: Ist Qualität messbar?

Für Apple ist dieses Ranking ein strategischer Sieg. Der Konzern hat bei der Markteinführung von Apple TV+ stets betont, dass das Ziel nicht ist, das meiste, sondern das beste Content-Angebot zu schaffen. In den üblichen Engagement-Rankings landet Apple oft abgeschlagen am Ende, da das schlichte Volumen im Vergleich zur Konkurrenz fehlt. Der „Quality Index“ spielt Apples Philosophie jedoch direkt in die Karten. Wer Severance, Ted Lasso oder The Morning Show schaut, tut dies meist bewusst zur Primetime, nicht als Hintergrundrauschen beim Bügeln.

Dennoch lohnt sich ein kritischer Blick auf den Index. Die Frage, ob „Franchise Depth“ wirklich ein Qualitätsmerkmal ist, darf gestellt werden. Die aktuelle Marvel-Phase wird von Fans und Kritikern oft als quantitativ überdehnt und qualitativ schwächelnd empfunden. Dennoch pusht genau diese Metrik Disney an die Spitze. Ebenso ist „Prestige“ subjektiv: Netflix bringt mit Produktionen wie The Crown ebenfalls hochkarätige Prestige-Formate hervor, wird hier aber insgesamt schlechter bewertet, da das Gesamtsortiment stark von Fast-Content dominiert wird.

Fazit: Ein neues Leitbild für die Branche?

Der MoffetNathanson-Index zeigt eine wichtige Entwicklung auf: Die Branche beginnt, den Wert von Inhalten neu zu bewerten. Wenn Streaming-Anbieter ihre Preise erhöhen (wie aktuell Apple mit 12,99 Euro pro Monat), reicht reines Volumen nicht mehr, um Abonnenten zu halten. Nutzer sind zunehmend bereit, für Qualität zu zahlen, erwarten dafür aber auch Exklusivität und Relevanz.

Apple TV+ mag in puncto Engagement eine Randnotiz sein, beweist jedoch, dass eine kuratierte, hochwertige Bibliothek eine eigene Stärke darstellt. Ob sich diese Qualitäts-Strategie langfristig gegen die ausufernden Content-Bibliotheken der Konkurrenz behaupten kann, wird der Markt entscheiden.

Quelle: 9to5Mac

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