Der Markt für Saug- und Wischroboter ist hart umkämpft, und wer nicht tief in die Tasche greifen will, muss oft Abstriche bei der Smart-Home-Integration machen. SwitchBot versucht, genau diese Lücke zu schließen: Der S20 bietet nicht nur Saugen und Wischen, sondern auch Matter-Support – und das oft für deutlich unter 500 Euro. Doch der günstige Preis fordert seinen Tribut. Ein detaillierter Blick auf die Stärken und Schwächen.
Die Hardware: Durchdacht, aber nicht perfekt
Das Highlight des S20 ist zweifellos die Wischfunktion. Anstatt auf rotierende Pads zu setzen, die Schmutz eher verteilen, setzt SwitchBot auf eine Wischwalze (Roller Mop). Diese wird während der Reinigung kontinuierlich mit Wasser gewaschen und vom Schmutz befreit. Das fühlt sich hygienischer an und liefert in der Praxis gute Ergebnisse. Zwar bekommt auch der S20 hartnäckige Flecken nicht im ersten Durchlauf weg, bei einem zweiten Durchgang war aber auch eingetrocknetes Ketchup Geschichte. Wer den Roboter regelmäßig fahren lässt, hat sauberere Böden als bei manueller Reinigung.
Die Base Station des S20 hält sich optisch dezent. Ein großer Pluspunkt: Sie kann direkt an die Hauswasserleitung angeschlossen werden, sodass Abwasser automatisch abgeleitet und Frischwasser nachgefüllt wird. Wer – wie im Test – auf den Festanschluss verzichtet, muss die Wassertanks manuell füllen und leeren. Nach der Reinigung trocknet die Station die Wischwalze mit 50°C heißer Luft, was Schimmel und Geruchsbildung effektiv verhindert. Der Staubbeutel muss nur etwa alle drei Monate gewechselt werden.
Doch es gibt auch ärgerliche Design-Entscheidungen. So liegt der Base Station eine dünne Plastikmatte bei, die den Boden vor Schmutz und Nässe schützen soll – die aber mit Klebstoff am Boden befestigt werden muss. Wer klebt schon gerne Plastik auf seinen Fußboden? Ohne den Kleber verrutscht die Matte und ist nutzlos. Hier fehlt die bei anderen Herstellern übliche, einrastende Bodenplatte. Zudem verweigert der S20 den reinen Wisch-Modus; es ist immer nur Saugen oder Saugen und Wischen gleichzeitig möglich.
Navigation und KI: Mutig, aber manchmal zu dumm
Beim Mapping und der Objekterkennung zeigt der S20 sein Budget-Dasein. Die KI-Kartierung ist weniger fähig als bei Premium-Modellen, deckt aber die Grundfunktionen ab. Bei der Hindernisvermeidung geht der S20 risikofreudiger vor als etwa die Konkurrenz von Ecovacs. Während diese oft aus Angst vor Fehlinterpretationen großen Bogen um Objekte macht und dadurch Flächen auslässt, rückt der S20 näher ran. Das führt zu gründlicherem Saugen, endete im Test aber auch damit, dass gelegentlich ein Kuscheltier oder ein Socken aufgesaugt wurde.
Ein echtes Problem sind Türschwellen. Der S20 hat Schwierigkeiten mit höheren Übergängen. Wenn er feststeckt, gibt er nicht auf und alarmiert den Nutzer, sondern versucht es immer wieder, bis der Akku leer ist. Das ist ein klassisches Software-Problem, das im Alltag extrem nervig sein kann. Die Akkulaufzeit liegt im kombinierten Modus bei rund 100 Minuten (für ca. 90 Quadratmeter) und im reinen Saug-Modus bei knapp drei Stunden.
Der kleine Bruder: SwitchBot K11+
Der K11+ ist ein reiner Saugroboter ohne Wischfunktion, der sich an kleine Wohnungen richtet. Im Test erwies er sich als für größere Häuser ungeeignet, da das Mapping des Hauses auch nach drei Versuchen fehlerhaft blieb. Für ein Apartment ist er jedoch ein solides und günstiges Einsteigergerät.
Matter-Integration: Ein Nice-to-have, keine Revolution
Für die Smart-Home-Community besonders spannend: Die SwitchBot-Geräte unterstützen Matter. Mit einem Apple Matter Hub (Apple TV oder HomePod) lassen sie sich in Apple Home integrieren. Basisfunktionen und Siri-Sprachbefehle funktionieren reibungslos. Praktisch sind auch Automatisierungen – etwa "Saugen, wenn niemand zu Hause ist".
Doch die Euphorie sollte sich in Grenzen halten. Wie bei fast allen Robotern dieser Preisklasse ist die proprietäre SwitchBot-App weiterhin zwingend erforderlich. Karten bearbeiten, Firmware-Updates einspielen, den Reinigungsfortschritt verfolgen oder Fehler beheben – all das geht nur in der Hersteller-App. Matter ist also ein nützlicher Zusatz, aber kein Feature, für das man den Roboter kaufen sollte.
Fazit
Der SwitchBot S20 ist ein klassischer Budget-Roboter: Er bietet viel Hardware für wenig Geld, stolpert aber über Software- und Design-Detailfragen. Die Wischwalze und die Option eines Wasseranschlusses sind großartig, aber die fehlende Bodenplatte für die Station, der nicht vorhandene reine Wisch-Modus und die dumme Akkuleer-Schleife an Türschwellen sind echte Frustfaktoren. Wer Geduld hat und ein begrenztes Budget, bekommt hier einen guten Reiniger. Wer ein "Set and Forget"-Erlebnis sucht, muss woanders tiefer in die Tasche greifen.
Quelle: MacRumors