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Das LG Rollable Phone: Das beste Smartphone, das nie erschien

Linus Tech Tips hat einen Prototyp des LG Rollable Phones getestet. Es vereint die Vorteile von Candy-Bar und Foldables, scheitert aber an einem entscheidenden Problem: der Kratzempfindlichkeit.

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Codekiste Redaktion15. April 2026

Ein Fast-Meisterwerk der Smartphone-Historie

Als LG im Frühjahr 2021 offiziell den Rückzug aus dem Smartphone-Markt bekannt gab, hinterließ das eine spürbare Lücke. LG war nicht immer der kommerziell erfolgreichste Akteur, aber zweifellos einer der mutigsten. Nun taucht ein Prototyp auf, der diese These eindrucksvoll untermauert: Das nie veröffentlichte LG Rollable Phone. YouTuber Linus Tech Tips hat das Gerät exklusiv in die Hände bekommen und zeigt, warum es vielleicht das beste Smartphone war, das es nie zu kaufen gab – und warum sein Scheitern unausweichlich war.

Das Beste aus zwei Welten

Die Prämisse des LG Rollable ist faszinierend. Es versucht, die Vorteile klassischer Candy-Bar-Smartphones mit denen moderner Foldables zu verbinden, ohne deren typische Nachteile in Kauf zu nehmen. Im eingeklappten Zustand ist es ein ganz normales, kompaktes Smartphone. Auf Knopfdruck jedoch fährt das Display aus und rollt sich um die Geräterückseite, wodurch die Bildschirmdiagonale auf 7,4 Zoll anwächst.

Zwar bleibt diese Maße leicht hinter den 8 Zoll eines Samsung Galaxy Z Fold zurück, doch die Mathematik der Bildschirmfläche spielt dem LG in die Karten: Dank des 3:2-Seitenverhältnisses ist die nutzbare Fläche im entfalteten Zustand deutlich größer und vor allem sinnvoller proportioniert als bei den schmalen, hochkantigen Innenanzeigen vieler Foldables. Ein weiterer massiver Pluspunkt: Die Falz (Crease), die bei faltbaren Geräten oft stört, ist beim Rollable kaum wahrnehmbar.

Ein cleveres Detail der Konstruktion: Das Display rollt sich nicht einfach in ein Gehäuseinnere, sondern um den Rücken des Telefons. Das bedeutet, dass der Bildschirm auch im eingefahrenen Zustand auf der Rückseite sichtbar bleibt und für Selfies genutzt werden kann. Eine schlaue Doppelfunktion, die die Notwendigkeit einer zweiten Frontkamera obsolet macht.

Materialwissenschaft am Limit

Wenn ein derart innovatives Gerät nie den Markt erreicht, liegt die Ursache meist in den harten Realitäten der Physik und Alltagsanforderungen. Beim LG Rollable war das Problem fundamental: Die Haltbarkeit des Displays.

Moderne Foldables wie das Z Fold nutzen Ultra-Thin Glass (UTG), das zwar biegsam, aber durch eine Schutzfolie relativ anfällig für Dellen ist. Um ein Display jedoch nicht nur zu falten, sondern eng um das Gehäuse zu rollen, reicht UTG nicht aus. LG musste auf flexible Polymere (wie Colorless Polyimide oder CPI) setzen. Diese Kunststoffe lassen sich problemlos einrollen, bringen aber eine fatale Eigenschaft mit: Sie sind extrem weich. Die Tatsache, dass sich das Display des Prototyps nach Aussage von Linus mit dem bloßen Fingernagel einritzen ließ, offenbart das Dilemma der Materialforschung. Wir haben aktuell schlichtweg keine Materialien, die sich eng einrollen lassen und gleichzeitig die Härte von gehärtetem Glas bieten.

Hinzu kommt ein konzeptionelles Problem: Ein Foldable wird in der Tasche zusammengeklappt getragen, wodurch das wertvolle Innen-Display durch die äußeren Hälften geschützt ist. Das Rollable hingegen fährt das Display nach außen aus. Im eingeklappten Zustand liegt die Bildschirmoberfläche permanent frei in der Hosentasche – Kratzern, Staub und Stößen schutzlos ausgeliefert. Das hätte auf Dauer zu einer katastrophalen User Experience geführt.

Journalistische Einordnung: Warum wir LG vermissen

Das Scheitern des LG Rollable ist symptomatisch für den aktuellen Zustand der Smartphone-Industrie. Samsung dominiert den Foldable-Markt mit einem sehr iterativen Ansatz: Jede Generation wird minimal verbessert, die grundlegenden Probleme (Crease, Dicke, Haltbarkeit) werden nur langsam ausgemerzt. Es ist ein sicherer, kommerziell erfolgreicher Weg.

LG hingegen hat das Rad neu erfinden wollen. Das Rollable Phone war ein technologischer Kraftakt, der die Schwächen der Foldables elegant umschiffte, aber an einer elementaren Hürde scheiterte: Wie schützt man ein weiches, rollbares Display in der Hosentasche? Die Antwort darauf hatte LG nicht. Dennoch erinnert uns dieser Prototyp daran, warum die Tech-Community LG vermisst. LG war die Art von Unternehmen, die Dinge ausprobierte, die auf dem Papier verrückt klangen – das LG Wing, das LG G5 mit Modularität oder eben das Rollable.

Foldables sind aktuell der Kompromiss, den wir eingehen müssen, um größere Bildschirme in kleineren Formfaktoren unterzubringen. Rollables sind das logischere Endziel, da sie die ungeschönte Falz eliminieren. Bis die Materialwissenschaft jedoch flexible Bildschirme hervorbringt, die so kratzfest sind wie Gorilla Glass, werden wir bei den faltenden Kompromissen bleiben müssen.

Das LG Rollable ist ein Denkmal für verpasste Chancen und ein Beweis dafür, dass echte Innovation oft an den banalsten Dingen scheitert. Es bleibt das faszinierendste Smartphone, das wir wahrscheinlich nie kaufen werden.

Quelle: Linus Tech Tips

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YouTube: Linus Tech Tips
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