Es ist der Schritt, auf den die Tech-Welt gewartet hat: Apple bringt dieses Herbst sein erstes faltbares iPhone auf den Markt. Den aktuellen Leaks zufolge wird das Gerät den Namen iPhone Ultra tragen und damit eine neue, noch premiumere Preisklasse oberhalb der Pro-Modelle etablieren. Während Hersteller wie Samsung und Google bereits seit Jahren im Foldable-Markt unterwegs sind, setzt Apple auf seine typische Spätstarter-Strategie: Erst wenn die Technologie ausgereift ist, ins Rennen gehen – und dann idealerweise mit Alleinstellungsmerkmalen.
Basierend auf aktuellen Berichten von 9to5Mac lassen sich bereits sechs zentrale Features des iPhone Ultra skizzieren, die ein recht klares Bild davon zeichnen, wie Apples Vision eines faltbaren Smartphones aussehen wird.
1. Design: Buchfalte, Titan und knitterfrei
Das iPhone Ultra setzt auf ein buchähnliches Faltkonzept (Book-style fold), unterscheidet sich aber in einer entscheidenden Eigenschaft von der Konkurrenz: Es ist im aufgeklappten Zustand breiter als hoch. Erinnert sich jemand an das erste iPad? Genau dieses Format scheint Apple anzusteuern. Im zugeklappten Zustand soll das Gerät an zwei übereinander gelegte iPhone Airs erinnern – nur dünner. Die Hülle besteht aus Titan, und die Farbauswahl ist auf Schwarz und Weiß limitiert, was den Fokus auf Eleganz und Professionalität unterstreicht.
Der vielleicht spannendste Aspekt ist das crease-free Display. Die Falte (Crease) in der Mitte des Bildschirms ist seit jeher der größte Kritikpunkt bei Foldables. Wenn Apple dieses Problem tatsächlich ingenieurstechnisch gelöst hat, wäre das ein massiver Wettbewerbsvorteil und ein klassischer „Apple Move“: Ein bekanntes Problem nicht als erster anzugehen, aber derjenige zu sein, der es für den Endnutzer unsichtbar macht.
2. Displays: Zwischen iPhone mini und iPad mini
Das Gerät wird mit zwei Displays ausgestattet sein. Das äußere Display soll zwischen 5,3 und 5,5 Zoll messen und damit in etwa die Größe eines iPhone mini aufweisen – jedoch mit einem breiteren Seitenverhältnis. Das innere Display kommt auf 7,6 bis 7,8 Zoll und nähert sich damit den Dimensionen eines iPad mini an.
Aus Entwicklersicht ist das breitere Format im aufgeklappten Zustand hochinteressant. Es zwingt Apps nicht in unnatürlich hochkantige Layouts, sondern bietet von Haus aus einen angenehmen Lese- und Arbeitsmodus, der näher am Tablet als am Smartphone ist.
3. Kameras: Zwei hinten, zwei vorne – aber ohne Teleobjektiv
Auf der Rückseite verbaut Apple zwei 48-MP-Sensoren (Main und Ultra Wide). Das bedeutet im Umkehrschluss: Wer das Ultra kauft, verzichtet auf die Tele-Kamera und deren Zoom-Fähigkeiten, die in den Pro-Modellen Standard sind. Für ein Gerät, das voraussichtlich über 2.000 Euro kosten wird, ein erstaunlicher Kompromiss. Erklären lässt sich dies vermutlich durch die Bauraum-Einsparung, die nötig ist, um das Foldable so dünn wie möglich zu halten.
Da das Gerät zwei Bildschirme hat, gibt es auch zwei Frontkameras. Hier wird vermutlich die 18-MP-Center-Stage-Kamera des iPhone 17 mit Punch-Hole-Design zum Einsatz kommen.
4. Software: iOS 27 mit exklusivem Multitasking
Ein Foldable ist nur so gut wie seine Software. Laut Bloomberg-Mitarbeiter Mark Gurman wird iOS 27 exklusive Multitasking-Features für das iPhone Ultra mitbringen. Dazu gehören Side-by-side-App-Layouts und iPad-ähnliche Darstellungen. Interessant ist die Abgrenzung: Das iPhone Ultra wird kein vollwertiges iPadOS-Fenstermanagement erhalten und auch nicht als iPad laufen, wenn es aufgeklappt wird.
Das ist ein typischer Apple-Schachzug. Man positioniert das Ultra klar als Smartphone mit erweiterten Fähigkeiten, um den internen Kannibalisierungseffekt mit dem iPad mini so gering wie möglich zu halten. Dennoch bleibt abzuwarten, wie gut iOS-Apps auf dem großen Screen skaliert werden, ohne dass Entwickler ihre Apps zwingend anpassen müssen.
5. Apple Silicon: A20 Pro und C2 Modem
Im Inneren werkelt der neue A20 Pro Chip, der auch im iPhone 18 Pro verbaut werden soll, sowie das hauseigene C2 Cellular Modem. Der A20 Pro soll den Sprung auf den 2-Nanometer-Prozess vollziehen und WMCM (Wafer-level Multi-Chip Module) nutzen, was eine höhere Effizienz verspricht. Dazu gibt es 12 GB des schnelleren LPDDR5-RAMs.
Das eigentliche Elefantenzimmer ist jedoch das C2 Modem. Apple löst sich damit endgültig von Qualcomm. Wenn das C2-Modem in Sachen Verbindungsstabilität und Energieeffizienz nicht hält, was Qualcomm liefert, könnte das gerade bei einem Gerät dieser Preisklasse zu massiver Kritik führen. Apple muss hier liefern.
6. Touch ID statt Face ID
Für viele vielleicht die größte Überraschung: Das „Ultra“-Gerät wird kein Face ID haben. Stattdessen kehrt Touch ID zurück, integriert in den Power-Button – ähnlich wie beim iPad Air. Der Grund ist rein physikalischer Natur: Das Gehäuse ist zu dünn für die Face-ID-Module, und zwei separate Module (je eines pro Display) wären zu teuer und platzraubend.
Während Touch ID pragmatisch und im Winter mit Handschuhen nützlich ist, fühlt es sich bei einem 2.000-Euro-Gerät doch wie ein Rückschritt an. Apple hat Face ID über Jahre als den Goldstandard der Biometrie positioniert. Auf dem Flaggschiff nun darauf zu verzichten, zeigt, wie extrem die Kompromisse bei Foldables hinsichtlich des Bauraums nach wie vor sind.
Fazit und Preis: Ein Statussymbol mit Kompromissen
Die Gerüchte zum Preis gehen weit auseinander, doch die meisten Analysten tippen auf rund 1.999 US-Dollar für das 256-GB-Modell. Es wird das teuerste iPhone aller Zeiten. Apple versucht, diesen Preis dadurch zu rechtfertigen, dass man im Grunde ein iPhone und ein iPad mini in einem Gerät erhält.
Die Frage bleibt: Reicht ein crease-freies Display und ein neues Design, um den massiven Preis und die Kompromisse (fehlendes Teleobjektiv, Touch ID statt Face ID) zu rechtfertigen? Apple zielt hier ganz offensichtlich nicht auf den Mainstream ab, sondern auf Early Adopter und Statussymbole. Das iPhone Ultra wird ein Statement sein – ob es ein praktisches, bleibt abzuwarten.
Quelle: 9to5Mac