Es ist das wohl am längsten erwartete Gerät in Apples Geschichte: ein iPhone mit faltbarem Display. Sollte es in diesem Jahr tatsächlich erscheinen, steht das Unternehmen vor einem interessanten marketingstrategischen Problem. Die Hardware mag ausgereift sein, aber wie nennt man ein Gerät, dessen definierendes Merkmal – das Falten – bereits von der Konkurrenz in Anspruch genommen wurde?
Die offensichtlichste Wahl wäre iPhone Fold. Es ist kurz, knackig und beschreibt exakt, was das Gerät macht. Doch genau hier liegt das Problem. Wie John Gruber von Daring Fireball kürzlich anmerkte, benennt Apple seine Geräte traditionell nicht nach ihrer Funktion, sondern nach dem Gefühl, das sie vermitteln sollen. „Ein guter Name vermittelt Emotion, nicht nur Funktion“, so Gruber. Hinzu kommt: Samsung hat den Begriff „Fold“ seit 2019 besetzt. Apple einen Produktnamen zu geben, der primär als Shorthand für die Samsung-Konkurrenz dient, wäre für das Unternehmen aus Cupertino untypisch.
Ein interessanter Gedanke aus der 9to5Mac-Redaktion lautet iPhone fold – mit kleinem „f“, analog zum iPod touch. Eine subtile Differenzierung, die aber typisch für Apples Pedanterie bei Groß- und Kleinschreibung sein könnte. Dennoch: Es bleibt ein deskriptiver Name, dem die Aspiration fehlt.
iPhone Duo hingegen gewinnt zunehmend an Zuspruch. Der Name rückt nicht den Mechanismus des Faltens in den Vordergrund, sondern das Ergebnis: zwei Bildschirme. „Duo“ passt hervorragend in Apples bestehendes Namensschema. Es ist ein dreibuchstabiger Suffix, genau wie Air, Pro oder Max. Er klingt elegant, lässt sich gut aussprechen und umschifft geschickt die Assoziation mit der Konkurrenz. Sollte das faltbare iPhone tatsächlich in den erwarteten „Passport“-Abmessungen kommen, wäre „Duo“ eine starke, identitätsstiftende Wahl.
Was ist mit iPhone Ultra? Dieser Name kursiert ebenfalls hartnäckig in den Gerüchteküchen. „Ultra“ klingt teuer, premium und leistungsstark – Eigenschaften, die sicherlich auf das faltbare iPhone zutreffen werden. Allerdings vermittelt Apple Watch Ultra auch Robustheit und ein Gehäuse, das Extremsituationen standhält. Ein faltbares iPhone mit Knick im Display und beweglichen Scharnierteilen ist nun einmal alles andere als das robusteste Gerät im Portfolio. Zudem nutzt Samsung den Ultra-Zusatz ausgerechnet für seine nicht-faltbaren Flaggschiff-Geräte (Galaxy S Ultra). Die Verwechslungsgefahr wäre auf dem Papier paradox.
Ein weiterer, etwas exotischerer Kandidat ist iPhone Folio. Apple liebt den Begriff „Folio“ für seine hochpreisigen iPad-Hüllen. Ein faltbares iPhone, das in der Tasche wie ein kleines Notizbuch aufgeklappt wird, transportiert genau diese Ästhetik. „Folio“ fühlt sich edler an als „Fold“ und passt zu dem mutmaßlichen Buch- oder Passport-Formfaktor. Allerdings könnte der Name auch zu sehr an ein Zubehörteil erinnern, statt an ein primäres, innovatives Smartphone.
Meine journalistische Einordnung: Apples Namensgebung ist nie zufällig. Es geht um Besetzung von Begriffen und um Abgrenzung. „Fold“ wird Apple mit großer Wahrscheinlichkeit meiden, da es das Gerät als Variante eines bestehenden Samsung-Produkts positionieren würde – Apple schafft aber gerne eigene Kategorien. „Ultra“ ist durch die Apple Watch semantisch zu stark auf Survival und Robustheit getrimmt, was dem fragilen Charakter eines faltbaren Displays widerspricht. „Folio“ klingt nach einer schönen Idee für ein Portfolio aus Leder und Display, vielleicht aber zu sehr nach Zubehör.
„Duo“ scheint der logischste und stärkste Kandidat. Es abstrahiert die Mechanik (das Falten) hin zum Nutzen (zwei Displays, mehr Fläche, Multitasking). Es positioniert das Gerät nicht als bloßes „Falt-Handy“, sondern als neue Art von iPhone, die durch ihre Dualität besticht. Vielleicht sogar in Kombination: iPhone Air Duo. Das würde die Leichtigkeit der neuen Produktlinie betonen.
Am Ende wird die Community das Gerät ohnehin „das Foldable“ oder schlicht das faltbare iPhone nennen. Aber der offizielle Name auf der Verpackung wird setzen, wie wir über das Gerät denken. Apple hat bei der Namenswahl oft die Zügel in der Hand, um eine völlig neue Erzählung zu starten. Es wäre daher nicht verwunderlich, wenn Apple am Ende doch mit einem Namen um die Ecke kommt, mit dem heute noch niemand rechnet.
Quelle: 9to5Mac