Ein Rechtsstreit mit neuen Wendungen
Der Rechtsstreit zwischen Apple und den angeblichen Leak-Quellen von iOS 26-Designdetails nimmt weiter an Fahrt auf. Wie aus einem aktuellen, gemeinsamen Statusbericht (Joint Status Report) vor dem US-Bundesgericht für den nördlichen Bezirk von Kalifornien hervorgeht, hat der bekannte Leaker Jon Prosser die gerichtlichen Vorladungen (Subpoenas) des Konzerns bislang nur teilweise beantwortet. Apple kündigt nun Konsequenzen an und will eine Motion for an Order to Show Cause beim Bundesgericht in Ohio einreichen – ein formeller Antrag, der Prosser zwingen soll, darzulegen, warum er den Subpoenas nicht vollständig nachgekommen ist.
Der Stand der Dinge: Was ist passiert?
Bereits im Oktober letzten Jahres hatte das Gericht auf Antrag Apples einen Default Judgment (Versäumnisurteil) gegen Prosser erlassen, nachdem dieser die Frist zur Beantwortung der Klageschrift hatte verstreichen lassen. Prosser hatte damals öffentlich betont, er stehe in aktivem Kontakt mit Apple, und die Vorstellung, er ignoriere den Fall, sei falsch. Die Realität vor Gericht sieht jedoch anders aus.
In dem neuen Bericht vom 13. April 2026 stellt Apple klar: Prosser habe zwar einige Dokumente vorgelegt und auf weitere relevante Unterlagen hingewiesen, sei jedoch den Forderungen nicht vollständig nachgekommen. Apple habe die Fristen für seine Antworten bereits mehrfach verlängert, erhalte aber noch immer nicht die geforderten Informationen. Der Konzern will insbesondere wissen, über welche vertraulichen Informationen und Geschäftsgeheimnisse (Trade Secrets) Prosser und sein Mitbeklagter Michael Ramacciotti verfügen und wie diese in ihren Besitz gelangt sind.
Der zweite Beklagte: Ramacciotti kooperiert
Während es bei Prosser stockt, läuft der Fall gegen Michael Ramacciotti offensichtlich geordneter ab. Apple hat forensisch ein weiteres Gerät von Ramacciotti untersucht, das dieser dem Konzern zur Verfügung gestellt hatte. Ramacciotti hat zudem zugesagt, seine Antworten auf die gerichtlichen Fragen (Interrogatories) zu ergänzen, und angeboten, sich nach Abschluss von Apples Drittparteien-Discovery für ein weiteres Zeugenverhör (Deposition) bereitzustellen – inklusive einer Aussage von Jon Prosser.
Prossers Gegenschlag: Anwälte und der First Amendment
Doch Prosser ist nicht bereit, das Feld kampflos zu überlassen. Nur zwei Tage nach dem gemeinsamen Statusbericht reichte sein neu eingestellter Anwalt einen separaten Bericht beim Gericht ein. Darin wird bestätigt, dass Prosser am 13. April 2026 Rechtsbeistand mandatiert hat, und zwar in der Erwartung, dass das Versäumnisurteil aufgehoben wird („in anticipation of the default being vacated“). Sein Anwalt hat Apple bereits aufgefordert, dem Default Judgment zuzustimmen, um Zeit und Kosten zu sparen.
Noch brisanter ist jedoch die angekündigte Verteidigungsstrategie: Prosser plant, sich auf den Ersten Verfassungszusatz (First Amendment) zu berufen. Das Argument: Sein Reporting als Journalist sei durch die Meinungs- und Pressefreiheit geschützt. Dies ist ein klassischer, aber oft schwer durchsetzbarer Ansatz in US-Leak-Fällen. Apple wird mit Sicherheit argumentieren, dass es hier nicht um Meinungsäußerung, sondern um den Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen geht – eine Unterscheidung, die vor Gericht über Sieg oder Niederlage entscheiden kann.
Kritische Einordnung: Mehr als nur ein Leaker-Streit
Dieser Fall ist ein Lehrstück darüber, wie Unternehmen mit Informationslecks umgehen. Apple zeigt einmal mehr, dass es Leaks nicht nur als PR-Ärger betrachtet, sondern als existenzielle Bedrohung für sein geistiges Eigentum. Die forensische Untersuchung von Geräten, die Ausweitung der Discovery auf Dritte und die Hartnäckigkeit bei den Subpoenas signalisieren: Wer Apples Geheimnisse ausplaudert, muss mit der vollen juristischen Wucht des Konzerns rechnen.
Für die Leak-Community hingegen ist der Ausgang dieses Verfahrens von enormer Bedeutung. Prossers First-Amendment-Verteidigung ist ein riskanter Schachzug. Zwar schützt der Erste Verfassungszusatz die Pressefreiheit stark, aber der Schutz von Journalisten, die vertrauliche Informationen veröffentlichen, hat in den USA klare Grenzen, insbesondere wenn es um Geschäftsgeheimnisse geht. Wenn Prosser nicht beweisen kann, dass er lediglich Informationen veröffentlicht hat, die ihm zugespielt wurden, ohne selbst in deren Beschaffung verwickelt zu sein, könnte der First Amendment-Schutz schnell bröckeln.
Interessant ist auch die Asymmetrie des Falls: Während Ramacciotti kooperiert und sich auf die Discovery einlässt, spielt Prosser offenbar auf Zeit. Ob diese Taktik aufgeht oder ihn am Ende nur noch tiefer in die Bredouille bringt, wird das Gericht in Ohio entscheiden. Apple hat bereits klargemacht, dass es nicht lockerlassen wird.
Fazit
Der iOS 26-Leak-Fall ist von einem schnellen Abgang weit entfernt. Mit Prossers neuem Anwalt und der avisierten Berufung auf den First Amendment zeichnet sich ein langwieriger juristischer Kampf ab. Apple bleibt hart: Wer die Subpoenas nicht vollständig beantwortet, wird vor Gericht gezerrt. Für die Tech-Welt ist dieser Fall ein weiterer Beweis dafür, dass der Markt für exklusive Informationen nicht nur von Klicks, sondern auch von erheblichen juristischen Risiken geprägt ist.
Quelle: 9to5Mac