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Apple opfert Gewinnmargen für Marktanteile: Verdopplung der Mac-Nutzer erwartet

Apple gibt seine traditionell hohen Gewinnmargen auf, um Marktanteile zu gewinnen. Durch gestiegene Speicherkosten leiden Konkurrenten, während Apple aggressiv wächst.

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Codekiste Redaktion14. April 2026

Es ist ein offenes Geheimnis in der Tech-Branche: Apple schützt seine Gewinnmargen wie ein Drache seinen Goldschatz. Historisch gesehen lag die Bruttogewinnmarge bei den Hardware-Produkten des Konzerns stets im komfortablen Bereich von 37 bis 38 Prozent. Doch nun deuten mehrere Analysten auf einen signifikanten Strategiewechsel hin. Apple scheint bereit, kurzfristig auf einen Teil dieser legendären Margen zu verzichten, um langfristig den Marktanteil massiv auszubauen – mit einem konkreten Ziel: Die Verdopplung der aktiven Mac-Nutzerbasis innerhalb der nächsten zehn Jahre.

Die AI-Speicher-Krise als Katalysator

Der Auslöser für diesen ungewöhnlichen Schritt ist eine Krise, die den gesamten PC-Markt erschüttert: Die massiv gestiegenen Kosten für Speicherchips. Die ungezügelte Nachfrage nach AI-Servern hat die Preise für Arbeitsspeicher und Flash-Speicher in die Höhe getrieben. Während die meisten PC-Hersteller – von Dell über HP bis Lenovo – diese Kosten direkt an die Konsumenten weitergeben und ihre Geräte teurer machen, geht Apple einen anderen Weg. Der Konzern hat die Preise bisher stabil gehalten.

Lange war unklar, wie lange Apple diesen Kurs durchhalten würde, ohne die eigenen Margenziele zu gefährden. Doch der bekannte Apple-Analyst Horace Dediu sowie mindestens zwei seiner Kollegen sind überzeugt: Apple hat eine strategische Entscheidung getroffen, um Wachstum über Margen zu stellen – genau zu dem Zeitpunkt, an dem die Konkurrenz unter den gestiegenen Kosten leidet.

Der finanzielle Erstickungsschlag für die Konkurrenz

Jay Goldberg, Analyst bei Seaport, liefert eine faszinierende Erklärung für diese Taktik. Seiner Meinung nach nutzt Apple die extrem viel dünneren Margen der Konkurrenz gnadenlos aus. Apple geht sogar so weit, einen Premium-Preis zu zahlen, um Speicherchips aufzukaufen. Dies ist laut Goldberg Teil einer "vorsätzlichen Strategie des Unternehmens, die Bedingungen für seine Konkurrenten zu verschärfen".

Diese Taktik ist riskant und teuer. Goldberg warnt, dass Apples Bruttogewinnmarge bei den Produkten von den hohen 30er-Prozentwerten in den niedrigen 30er-Prozent-Bereich rutschen könnte. Für Apple-Verhältnisse ein geradezu dramatischer Einbruch. Doch die Rechnung geht auf, weil die Konkurrenz diesen Preiskampf nicht lange durchhalten kann. Wer ohnehin nur mit 5 bis 10 Prozent Marge arbeitet, kann keine Preissteigerungen bei den Komponenten schlucken, ohne in die Verlustzone zu rutschen oder massiv Kunden zu verlieren.

Das Services-Ökosystem als Retter in der Not

Wie kann Apple es sich leisten, bei der Hardware Geld liegen zu lassen? Die Antwort lautet: Services. Apple hat in den letzten Jahren einen gigantischen Dienstleistungsapparat aufgebaut – von iCloud über Apple Music bis Apple TV+. Diese Dienste arbeiten mit enormen Gewinnmargen, die die Verluste bei der Hardware mehr als ausgleichen können.

Goldberg und Dediu argumentieren, dass jeder neue Mac-Nutzer ein potenzieller Abonnent dieser hochprofitablen Services ist. Der günstigere Mac ist also nur der Köder; das echte Geschäft entsteht über die monatlichen Abos in den Folgejahren. Es ist eine Variante des klassischen Rasierer-und-Klingen-Modells, das Apple nun auf die Spitze treibt.

260 Millionen auf dem Weg zu 520 Millionen

Die zentrale Kennzahl in dieser Strategie ist die installierte Mac-Basis. Aktuell geht man von etwa 260 Millionen aktiven Mac-Nutzern weltweit aus. Dediu hält eine Verdopplung auf eine halbe Milliarde im nächsten Jahrzehnt für "sicherlich erreichbar". Das wäre ein historischer Meilenstein.

Beweise für diesen Kurswechsel liefert der Markt bereits. Der überraschend niedrige Preis des neuen MacBook Neo (ein Gerät, das in der aktuellen Preisklasse den Markt aufgerollt hat) ist ein starkes Indiz dafür, dass Apple eine einmalige Gelegenheit sieht, der Konkurrenz Marktanteile abzujagen.

Kritische Einordnung: Ein Paradigmenwechsel mit Haken

Ist das wirklich der Beginn einer neuen Ära bei Apple? Ich bin traditionell skeptisch, wenn Analysten behaupten, Apple würde Wachstum über Margen stellen. Apples DNA ist auf Profitabilität ausgelegt, nicht auf Marktanteils-Dumping. Doch die aktuellen Branchenumstände bilden einen "Perfect Storm" für die Konkurrenz. Die Kombination aus explodierenden Speicherkosten, einer unsicheren globalen Wirtschaftslage und der Tatsache, dass Apple seine Hardware über das Services-Geschäft querfinanzieren kann, macht diesen Kurswechsel plausibel.

Allerdings gibt es einen Haken: Diese Strategie funktioniert nur, weil Apple durch die Apple Silicon Architektur (M-Chips) extrem viel Kontrolle über die Supply Chain und die Kosten hat. Windows-OEMs müssen Prozessoren von AMD oder Intel und Grafikkarten von Nvidia einkaufen – sie haben nicht die Freiheit, Komponenten selbst zu designen und zu optimieren. Apple nutzt also nicht nur ein finanzielles Gefälle aus, sondern auch ein strukturelles.

Fazit: Die Analysten dürften ins Schwarze getroffen haben. Apple opfert kurzfristig Hardware-Margen, um die Konkurrenz auszubluten und die Mac-Nutzerbasis massiv zu vergrößern. Die Rechnung zahlen am Ende nicht die Apple-Aktionäre, sondern die Nutzer, die sich in ein noch tieferes Abonnement-Ökosystem einbinden lassen – und die PC-Hersteller, die in diesem Preiskampf schlichtweg keine Überlebenschance haben.

Quelle: 9to5Mac

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