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Aufholjagd bei Apple: Siri-Entwickler müssen ins AI-Bootcamp

Apple schickt knapp 200 Siri-Entwickler in ein mehrwöchiges AI-Coding-Bootcamp. Ein Zeichen, dass Cupertino den Anschluss bei modernen Entwicklungstools verpasst hat – und jetzt radikal aufholt.

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Codekiste Redaktion15. April 2026

Apple zwingt Siri-Team zum AI-Crashkurs

Es ist ein kaum verhohlener Schock für den stolzen Konzern aus Cupertino: Wie The Information berichtet, wird Apple eine Gruppe von knapp 200 Ingenieuren, die an Siri arbeiten, in ein mehrwöchiges „Bootcamp“ schicken. Dort sollen sie lernen, moderne AI-Coding-Tools effektiv zu nutzen. Der Schritt ist ungewöhnlich für ein Unternehmen, das sich sonst als Vorreiter in der Technologiebranche positioniert – und er spricht Bände über den aktuellen Zustand der internen Softwareentwicklung.

Dass ausgerechnet die Entwickler von Apples sprachbasierter Assistenz den Umgang mit AI-Tools erst mühsam erlernen müssen, wirkt auf den ersten Blick paradox. Doch es verdeutlicht, wie sehr Apples interne Kultur von der rasanten Entwicklung im KI-Sektor überrollt wurde. Tools wie Anthropics Claude Code oder OpenAIs Codex haben das Programmieren in den letzten Monaten fundamental verändert. Wer diese Werkzeuge beherrscht, kann den Output an geschriebenem Code massiv steigern. Wer sie ignoriert, fällt zurück.

Die internen Bruchlinien

Laut dem Bericht sind die AI-Coding-Tools in einigen Teilen von Apple bereits fest etabliert. So sollen Teams innerhalb der Software-Engineering-Organisation bereits beträchtliche Budgets für Claude Code reserviert haben. Dieser Befund passt zu anderen Industriebeobachtungen: So hat Berichten zufolge selbst Uber sein für das gesamte Jahr 2026 veranschlagtes AI-Budget bereits jetzt aufgebraucht. Die Nachfrage nach diesen Werkzeugen explodiert, und wer nicht mithält, verliert Produktivität.

Beim Siri-Team scheint diese Erkenntnis jedoch erst spät angekommen zu sein. Von den Hunderten Ingenieuren, die an der Assistenz arbeiten, werden weniger als 200 das Bootcamp durchlaufen. Der Rest der Abteilung wurde bereits umstrukturiert: Etwa 60 Mitglieder verbleiben im Kern-Entwicklungsteam für Siri, weitere 60 bilden eine neue Gruppe, die ausschließlich die Leistung der Assistenz überwacht – von der Befehlsausführung bis zur Einhaltung von Apples Sicherheitsstandards.

Konsequenzen nach strategischen Fehlern

Das Bootcamp ist nicht isoliert zu betrachten. Es ist das Resultat einer Reihe von strategischen Fehlentscheidungen und einem massiven interne Umbruch (Reorg). Apple hatte in der Vergangenheit oft den Eindruck erweckt, bei der künstlichen Intelligenz eher zu bremsen als zu treten. Die Konsequenzen waren sichtbar: Eine weitreichende Neuordnung der AI- und Siri-Abteilungen war die Folge.

Erst diese Woche verließ John Giannandrea, Apples ehemaliger AI-Chef, das Unternehmen endgültig, nachdem er seine Rolle bereits im Dezember abgegeben hatte. An seine Stelle rückt Amar Subramanya, ein Veteran mit fast zwei Jahrzehnten Erfahrung bei Google und einem kurzen Intermezzo bei Microsoft. Er fungiert nun als VP of AI unter der Führung von Craig Federighi.

Auch die Leitung des Siri-Projekts wurde neu besetzt. Mike Rockwell, der sich zuvor einen Ruf als Macher bei technisch anspruchsvollen Projekten wie dem Apple Vision Pro erarbeitet hatte, übernahm das Ruder. Rockwell berichtet ebenfalls an Federighi – ein klares Zeichen, dass Apple Siri nun als zentrales, hochpriorisiertes Problem behandelt.

Der Blick auf die WWDC26

Die Timing dieses Schritts ist alles andere als zufällig. Vom 8. Juni an öffnet Apple die Tore der WWDC26. Dort wird die lange verzögerte, komplett überarbeitete und AI-gestützte Version von Siri erwartet. Wie Apple bereits im letzten Jahr bestätigte, wird diese neue Siri auch auf Googles Gemini-Modellen aufbauen – ein weiterer Beweis dafür, dass Apple bei den großen Foundation Models nicht mehr alles selbst machen kann oder will.

Offen bleibt derweil, wie genau das Bootcamp aussehen wird. Findet es intern statt, oder kooperiert Apple hier mit externen Partnern oder den Frontier AI Labs direkt? Dass Apple seine eigenen Entwickler auf diese Weise nachschulen muss, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Branche. Die Fähigkeit, AI-Tools nicht nur für Endkunden, sondern auch für die eigene Produktion zu nutzen, wird zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Apple hat viel Boden gutzumachen – und die Uhr tickt bis zur WWDC.

Quelle: 9to5Mac

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